Pflegeversicherung in Österreich: Privat vs Gesetzlich / Staatlich – Kosten

Pflegebedürftig zu sein, ohne die notwendigen Mittel zu haben, diese Pflege bezahlen zu können, das ist für alle Menschen einen Albtraum. Pflegeversicherungen können helfen, sich bei einer Pflegebedürftigkeit besser abzusichern. Welche Leistungen Pflegeversicherungen bieten, wer sie anbietet, wer sie abschließen kann und worauf Sie bei einer Pflegeversicherung achten müssen, lesen Sie hier.

Pflegebedürftig – wie geht es weiter?

Wer in Österreich pflegebedürftig ist, hat zunächst einen gesetzlichen Anspruch auf das Pflegegeld.
Diese Leistung wird durch das Bundespflegegeld-Gesetz geregelt und die Höhe der Leistungen bemisst sich nach dem zeitlichen Umfang der Pflegebedürftigkeit beziehungsweise der entsprechenden Pflegestufe.

Insgesamt gibt es 7 Pflegestufen, die von einem Pflegeaufwand von 65 Pflegestunden monatlich in der Pflegestufe 1 bis hin zu einer Vollzeitbetreuung in der Pflegestufe 7 gestaffelt sind.
Gezahlt werden dafür monatlich zwischen 157,30 € Pflegestufe 1 und 1.688, 90 € in der Pflegestufe 7.
Die Pflegestufe wird von einem Amtsarzt bestimmt und das entsprechende Pflegegeld steht jedem Österreicher zu. Wer jedoch zusätzliche Leistungen erhalten möchte, der muss zu einer Pflegeversicherung greifen.

Die Pflegeversicherungen

Insgesamt gibt es in Österreich 11 Versicherer, die eine Pflegeversicherung anbieten. Dabei orientieren sich die Versicherungen oftmals an den Pflegestufen die in der  Bundespflegesatzverordnung festgelegt sind. Einige Versicherungsgesellschaften liegen jedoch Wert darauf, selbst zu beurteilen, in welche Pflegestufe der Versicherungsnehmer einzuordnen ist. Um dies festzustellen, werden zeitliche Pauschalwerte ermittelt, die sich durch bestimmte Tätigkeiten im Haushalt oder in der Pflege ergeben.
So wird anhand einer Tabelle zunächst festgestellt, bei welchen Tätigkeiten Hilfe benötigt wird.  Dabei kann es sich beispielsweise um folgende alltägliche Tätigkeiten handeln

  • Einkaufen
  • Nahrungszubereitung
  • Essen
  • Putzen
  • Körperpflege
  • Anziehen
  • Hilfe bei der Einnahme von Medikamenten
  • Medizinische Versorgung

Ebenso wie bei der gesetzlichen Versorgung ist also bei den Pflegeversicherungen die Pflegestufe von entscheidender Bedeutung.

Ab welcher Pflegestufe zahlen die Pflegeversicherungen?

Doch nicht alle Pflegeversicherungen zahlen auch ab der Pflegestufe 1. In vielen Policen ist vorgesehen, das erst ab einer höheren Pflegestufe gezahlt wird.

Zahlen die Pflegeversicherungen bereits in den niedrigen Pflegestufen, geht dies meist mit sehr hohen Prämien einher. Hier muss der Versicherte sehr genau abwägen, ob sich die hohen Versicherungsprämien lohnen, denn vergleichsweise ist der Pflegeaufwand gerade in den Pflegestufen 1 und 2 in der Regel eher niedrig. So entspricht die Pflegestufe 1 einem Pflegeaufwand von 65 Stunden monatlich und die Pflegestufe 2 einem Pflegeaufwand von 95 Pflegestufen monatlich. Dabei werden meist nur einfache Tätigkeiten wie Hilfe beim Einkaufen, bei der Nahrungszubereitung,  beim Ankleiden oder bei dem Putzen der Wohnung verrichtet.

Hier muss also darauf geachtet werden, ob es wirklich lohnend ist, die erhöhten Prämien der Versicherer zu zahlen, oder ob es im Bedarfsfall nicht günstiger wäre, beispielsweise eine Putzfrau oder eine Einkaufshilfe stundenweise zu beschäftigen oder auf Hilfe von Familienangehörigen zurückzugreifen.

Unter welchen Umständen zahlen die Pflegeversicherungen?

Neben der Pflegestufe sind auch die Umstände der Pflegebedürftigkeit zu beachten. So zahlen beispielsweise viele Versicherungen nicht, wenn sich der Versicherte im Krankenhaus oder einer Reha einrichtung aufhält

In welcher Höhe zahlen die Pflegeversicherungen?

Die Höhe der Zahlungen sind ein sehr wichtiger Faktor beim Abschluss einer Pflegeversicherung. Sie variieren je nach Versicherer und nach monatlich eingezahlten Prämien sehr stark. Durchschnittlich können sie zwischen 400 und 1000 € monatlich betragen.

Was kostet die Pflegeversicherung

Auch die monatlichen Kosten der Pflegeversicherung unterscheiden sich stark voneinander. Günstige Versicherungsprämien beginnen bereits bei wenigen Euro monatlich, während die höchsten Prämien etwa 50 Euro monatlich betragen. Sehr wichtig ist es jedoch immer, sich nicht nur von einer niedrigen monatlichen Prämie locken zu lassen, sondern genau hinzuschauen, welche Leistung man für die Prämie bekommt.

Hinweis
Hinweis: Beim Vergleich der Pflegeversicherung muss immer darauf geachtet werden, ob bei der Auszahlung das staatliche Pflegegeld bereits mit einberechnet wurde. Beide Leistungen laufen parallel, da es sich bei der Pflegeversicherung um eine Zusatzversicherung handelt.

Welche Altersgrenze gibt es bei der Pflegeversicherung?

Viele Versicherer setzen  bei der Pflegeversicherung Altersgrenzen fest. So gibt es beispielsweise oft ein Mindestalter, das erreicht werden muss, die Pflegeversicherung abzuschließen. Auf der anderen Seite setzen einige Versicherer eine Altersgrenze, bis zu der Sie die Zusatzleistungen tragen, da sie ab einem gewissen Alter generell von einer Pflegebedürftigkeit ausgehen.

Bei der Wahl der passenden Pflegeversicherung sollte sich der Versicherungsnehmer daher immer fragen, ob er sich beispielsweise durch einen riskanten Beruf gegen eine Pflegebedürftigkeit durch einen Unfall versichern möchte oder ob ihm eine Pflegeversicherung im Alter wichtiger ist und sich dann für ein entsprechendes Angebot entscheiden.

Ist eine Pflegeversicherung notwendig?

Ob eine Pflegeversicherung notwendig ist, muss der Versicherungsnehmer individuell für sich entscheiden. Die gesetzliche Versorgung durch das Pflegegeld ist in jedem Fall gewährleistet. Wer darüberhinaus vorsorgen möchte, beispielsweise weil er keine Angehörigen hat, von denen er im Fall des Falles versorgt werden könnte, der sollte sich mit einer zusätzliche Pflegeversicherung absichern. Die Entscheidung, ob und inwieweit dies notwendig und erforderlich ist, bleibt jedoch immer eine individuelle Entscheidung.

Was muss beim Abschluss einer Pflegeversicherung beachtet werden?

Wer eine Pflegeversicherung abschließen möchte, der sollte sich vorher auf jeden Fall gut informieren und alle Angebote gründlich vergleichen.
Bei den einzelnen Versicherern gibt es große Unterschiede hinsichtlich

  • er Höhe der Prämien
  • der Höhe der Auszahlungen
  • der Pflegestufe, ab der die Zahlungen geleistet werden
  • der Altersbegrenzungen für den Einstieg in die Versicherung
  • des Höchstalters der Zuzahlungen

Nur ein sorgfältiger Vergleich gewährleistet, dass man die passende Pflegeversicherung findet.