Abfertigung ALT in Österreich

Bei der Auflösung des Dienstverhältnisses muss der Arbeitgeber unter Umständen eine Abfertigung zahlen. Dabei muss heute zwischen der alten und neuen Abfertigung unterschieden werden.

Was es genau mit der Abfertigung alt auf sich hat, für welche Dienstverhältnisse sie von Bedeutung ist, unter welchen Voraussetzungen sie gezahlt wird und was sie von der Abfertigung neu unterscheidet sowie vieles mehr erfahren Sie hier.

Was bedeutet Abfertigung?

Als Abfertigung alt wird das alte Abfertigungsrecht bezeichnet, das noch heute für viele Dienstverhältnisse von Bedeutung ist.
Die Abfertigung bezeichnet eine einmalige Zahlung, die unter gewissen Umständen bei der Auflösung des Arbeitsverhältnisses vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer gezahlt werden muss.

Wer hat Anspruch auf die Abfertigung alt?

Anspruch auf die Zahlung der Abfertigung alt haben Dienstnehmer, deren Dienstverhältnis bereits vor dem 1. Jänner 2003 begonnen hat und bis heute andauert.

Wurde das Dienstverhältnis erst nach dem Stichtag 1.1.2003 begonnen, bedeutet das jedoch nicht, dass der Dienstnehmer keinen Anspruch auf eine Abfertigung hat. In diesem Fall kommen jedoch die neuen Regelungen der Abfertigung neu zum Tragen.

Das Dienstverhältnis darf nicht unterbrochen worden sein, um Anspruch auf die Abfertigung alt zu haben. Wurde es vor dem 1.1.2003 unterbrochen und nach dem 1.1.2003 neu aufgenommen, gelten die Bestimmungen der Abfertigung neu.

in welcher Höhe wird die Abfertigung alt ausgezahlt?

Die Höhe der ausgezahlten Abfertigung alt richtet sich jeweils nach der Länge des Dienstverhältnisses.

  • nach 3 Jahren ununterbrochener Dienstzeit beträgt die Abfertigung alt 2 Monatsentgelte
  • nach 5 Jahren ununterbrochener Dienstzeit beträgt die Abfertigung alt 3 Monatsentgelte
  • nach 10 Jahren ununterbrochener Dienstzeit beträgt die Abfertigung alt 4 Monatsentgelte
  • nach 15 Jahren ununterbrochener Dienstzeit beträgt die Abfertigung alt 6 Monatsentgelte
  • nach 20 Jahren ununterbrochener Dienstzeit beträgt die Abfertigung alt 9 Monatsentgelte
  • nach 25 Jahren ununterbrochener Dienstzeit beträgt die Abfertigung alt 12 Monatsentgelte
    Hinweis

Als Monatsentgelt ist nicht nur der reine Monatslohn oder das Gehalt zu betrachten. Das Monatsentgelt umfasst vielmehr außerdem regelmäßige Zulagen und den aliquoten Anteil an Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld sowie einen Durchschnittswert regelmäßig, aber in ungleicher Höhe empfangener Zahlungen wie Provisionen oder Überstundenvergütungen.

Für welche Branchen gelten Sonderregelungen?

Eine Sonderregelung gilt für Bauarbeiter.

Hier gibt es keine Unterscheidung zwischen der Abfertigung alt und der Abfertigung neu.
Bauarbeiter erwerben vielmehr einen Abfertigungsanspruch, sobald entweder

  • ein ununterbrochenes Arbeitsverhältnis vorliegt, das 156 Kalenderwochen (drei Jahre) andauert
    oder
  • innerhalb eines Zeitraumes von 156 Kalenderwochen mit Unterbrechungen für mindestens 92 Kalendermonate ein Beschäftigungsverhältnis zum selben Arbeitgeber bestanden hat, wobei die Unterbrechungen nicht länger als 22 Wochen sein dürfen.

Die Höhe der Abfindung richtet sich auch hier nach der Länge der Beschäftigung:

  • Beschäftigungsverhältnis über 156 Wochen: 2 Monatsentgelte Abfertigung
  • Beschäftigungsverhältnis über 260 Wochen: 3 Monatsentgelte Abfertigung
  • Beschäftigungsverhältnis über 520 Wochen: 4 Monatsentgelte Abfertigung
  • Beschäftigungsverhältnis über 780 Wochen: 6 Monatsentgelte Abfertigung
  • Beschäftigungsverhältnis über 1040 Wochen: 9 Monatsentgelte Abfertigung
  • Beschäftigungsverhältnis über 1300 Wochen: 12 Monatsentgelte Abfertigung

Welche Voraussetzungen müssen für die Zahlung der Abfertigung alt gegeben sein?

Damit die Abfertigung alt ausgezahlt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen.
Zu einer Auszahlung kommt es bei

  • einer Kündigung durch den Arbeitgeber
  • einer ungerechtfertigten und unverschuldeten Entlassung
  • Ablauf eines befristeten Dienstverhältnisses
  • einem berechtigten vorzeiten Austritt des Dienstnehmers
  • einvernehmlicher Auflösung des Dienstverhältnisses
    Hinweis

Bei Elternaustritt, also bei dem Austritt der Mutter während der Schutzfrist nach der Geburt oder bei Austritt eines Elternteils während der Elternkarenz oder Elternteilzeit, besteht ein Anspruch auf die Hälfte der vorgesehenen Abfindung alt, höchstens jedoch auf 3 Monatsentgelte, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens fünf Jahre bestanden hat.

Besteht bei Arbeitnehmerkündigung ein Anspruch auf Abfertigung alt?

In der Regel wird bei der Arbeitnehmerkündigung keine Abfertigung alt gezahlt.
Es gibt jedoch Ausnahmen und diese liegen vor, wenn

  • der Arbeitnehmer mindestens 10 Jahre lang im Unternehmen beschäftigt war und aufgrund des Alters oder langer Versicherungsdauer (Hackler Regelung) in Pension geht und daher kündigt
  • der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis kündigt, weil eine mindestens 6 Monate andauernde Berufsunfähigkeit oder Invalidität durch den Versicherungsträger festgestellt wurde
  • der Arbeitnehmer wegen anderer gerechtfertigter Gründe kündigt

Unter welchen Voraussetzungen entfällt die Zahlung der Abfertigung alt?

Die Zahlung der Abfertigung alt entfällt, wenn

  • der Arbeitnehmer mit eigenem Verschulden fristlos entlassen wird
  • der Arbeitnehmer ohne gerechtfertigten Grund kündigt
  • der Arbeitnehmer ohne wichtigen rund vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis austritt
    Wer beispielsweise in einem befristeten Dienstverhältnis steht und dies vorzeitig verlassen möchte, um eine andere Stelle anzutreten, hat keinen Anspruch auf die Abfertigung alt. Gleiches gilt für den Arbeitnehmer, der das Dienstverhältnis aus diesem Grunde kündigt.

Haben Teilzeitkräfte Anspruch auf die Abfertigung alt?

Der Anspruch auf die Abfertigung alt entsteht für Teilzeitkräfte ebenso wie für Vollzeitkräfte. Das Gleiche gilt für geringfügig Beschäftige, auch sie erwerben einen Anspruch auf die Abfertigung alt. Ausgenommen davon sind geringfügige Beschäftigungen während der Elternkarenz.

Was gilt als Berechnungsgrundlage für die Abfertigung alt?

Als Berechnungsgrundlage für die Abfertigung alt gilt das regelmäßige Monatsentgelt inklusive anteiliger Berücksichtigung von Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Im Fall regelmäßig geleisteter Zahlung in wechselnder Höhe ist aus den Zahlungen des letzten Jahres oder der letzten 13 Wochen ein Durchschnittswert zu ermitteln.

Hinweis

Um die Sonderzahlungen zu berücksichtigen wird entweder 1/12 Weihnachtsgeld und 1/12 Urlaubsgeld auf den Monatslohn aufgeschlagen oder der Monatslohn wird mit 14 multipliziert und dann durch 12 geteilt.

Wie wird die Abfertigung alt ausgezahlt?

Die Abfertigung alt wird mit dem Austritt aus dem Unternehmen fällig. Abfertigungen, die weniger als drei Monatsentgelte betragen, werden in einer Zahlung fällig. Wenn die Abfertigung mehr als drei Monatsentgelte beträgt, können diese nach Zahlung der ersten drei Monatsentgelte ab dem vierten Monat monatlich gezahlt werden.

Endet das Dienstverhältnis beispielsweise nach 15 Jahren (Abfertigungsanspruch 6 Monatsentgelte) zum 31.12., werden mit dem Termin die ersten drei Monatsentgelte fällig. Die nächsten drei können dann jeweils am 1.4., 1.5. und 1.6. gezahlt werden.

Hinweis

hat der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis wegen Pensionsantritt selbst gekündigt, kann die Abfertigung auch in Monatsraten von je einem halben Monatsentgelt gezahlt werden, ohne dass eine sofortige und zusammenhängende Zahlung der ersten drei Monatsentgelte erforderlich ist.

Wie muss die Abfertigung alt versteuert werden?

Die Abfindung alt unterliegt der Lohnsteuer und kann auf zwei unterschiedliche Arten versteuert werden.

Eine Möglichkeit ist die Versteuerung zu einem festen Steuersatz von 6 %. Die andere Möglichkeit ist die sogenannte Vervielfachermethode, bei der die Abfertigung zunächst durch die Summe der laufenden Bezüge geteilt wird, um den sogenannten Vervielfacher zu ermitteln. Dieser Vervielfacher wird dann mit der Lohnsteuer des laufenden Bezugs multipliziert, um die Höhe der für die Abfertigung fälligen Lohsteuer zu ermitteln.

Diese Methode eignet sich bei unteren Einkommensklassen, in denen wenig oder gar keine Lohnsteuer anfällt und ist dort oft günstiger als die fixe Versteuerung mit 6 %.
Angewendet werden muss immer die günstigere Versteuerung.

Wie funktioniert der Wechsel zur Abfertigung neu?

Um von der Abfertigung alt in die Abfertigung neu zu wechseln gibt es zwei Möglichkeiten.

Die Ansprüche aus der Abfindung alt können entweder eingefroren werden, dann bleiben sie erhalten und mit dem Stichtag des Wechsels gilt die Abfertigung neu.
Kommt es zur Auszahlung der Abfertigung, wird die bis zum Wechsel erworbene, eingefrorene Abfertigung alt ausbezahlt sowie die nach dem Wechsel zustande gekommenen Ansprüche aus der Abfertigung neu.

Die andere Möglichkeit ist die Übertragung der Ansprüche, wobei die Höhe des Übertragungsbetrages zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer frei verhandelbar ist.

Was sind die grundlegenden Unterschiede zur Abfertigung neu?

Zwischen der Abfertigung alt und der Abfertigung neu bestehen einige grundlegende Unterschiede.

So erwerben Arbeitnehmer bei der Abfindung neu schon nach 2 Monaten und nicht erst nach drei Jahren Anspruch auf eine Abfertigung. Abfertigungsansprüche können von einem Arbeitgeber zum anderen „mitgenommen“ werden und die Ansprüche verfallen nicht bei der Arbeitnehmerkündigung.

Quellen: